DAS RATZEBURGER MODELL

Dieser Begriff beschreibt den besonderen Charakter der Rehabilitation für pflegende Angehörige: Zu ihrer eigenen Rehabilitation können sie nämlich ihr von Demenz betroffenes Familienmitglied in unsere Klinik mitbringen. In einem klinikeigenen speziellen Bereich, dem Angehörigenbegleitbereich, leben demenzbetroffene Begleitpersonen während ihres Aufenthalts, werden von einem geschulten Team versorgt und erhalten eine eigene Therapie (MAKS). 

Weil diese Rehabilitation in Deutschland nur von uns in dieser Form angeboten wird, hat sie Modellcharakter – und so haben wir ihr einen Namen gegeben: DAS RATZEBURGER MODELL.

  • Eine Diagnose – zwei Patienten
  • Rehabilitanden
  • Demenzbetroffene Begleitpersonen

Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz tragen ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Sie erbringen rund um die Uhr Höchstleistungen, bekommen zu wenig Schlaf und sind hohen seelischen Belastungen ausgesetzt. Sie vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse, ihre Freizeitbeschäftigungen und soziale Bindungen. 

Wesentliches Merkmal des Behandlungskonzepts nach dem Ratzeburger Modell ist die Mitnahme des an Demenz erkrankten Familienmitglieds, entweder als Begleitperson (SGB V) oder im Rahmen der Kurzzeitpflege (SGB XI).

Das enge Pflegeverhältnis: Alleine würde ich nie kommen!

Entwickelt wurde dieses Rehabilitationsangebot, weil es einem Pflegenden durch das enge Pflegeverhältnis verständlicherweise sehr schwer fällt, den von ihm Betreuten in andere Hände zu geben: Auch wenn sie erschöpft sind, fällt es ihnen meistens schwer, die Versorgung des demenzkranken Angehörigen anderen zu überlassen. Die Angst, durch das Einfordern fremder Hilfe den Kranken im Stich zu lassen, löst häufig Schuldgefühle aus. 

Oft befürchten die Rehabilitanden, dass ihre demenzkranken Familienmitglieder erst einmal mit Ängsten reagieren, wenn sich das vertraute Umfeld ändert. Unsere Erfahrung aber hat gezeigt: Es fällt den demenzkranken Begleitpersonen häufig erstaunlich leicht, sich bei uns einzuleben.

Für das Durchhalten und Aushalten der anstrengenden Pflege und Betreuung eines Demenzkranken bezahlen Pflegende mit ihrer Gesundheit: Schwere Erschöpfungszustände, Depressionen, psychosomatische Erkrankungen, Angst, chronische Kopfschmerzen, chronisch degenerative oder entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates sind häufig die Folge dieser Überforderung. 

Eine wichtige Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg der Rehabilitationsmaßnahme ist, dass der Rehabilitand wieder lernt, sich selbst wahrzunehmen und für sich selbst gut zu sorgen. Dies gelingt ihm nur, wenn er mehr Abstand gewinnt zum Pflegebedürftigen, wobei wir dies durch einen behutsamen Ablöseprozess unterstützen. 

Die psychosomatische Rehabilitationsbehandlung stärkt und stabilisiert unsere Rehabilitanden psychisch und körperlich. Sie werden informiert zum Thema Demenz und motiviert, ambulante Entlastungsangebote anzunehmen. Wir erarbeiten mit ihnen ein poststationäres Weiterbehandlungskonzept, das auch Versorgungsaspekte des demenzbetroffenen Angehörigen beinhaltet . Unter diesen Voraussetzungen kann die häusliche Pflegesituation länger aufrechterhalten werden.

Wir ermöglichen unseren Rehabilitanden eine psychosomatische Behandlung, bei der sie „ihren“ Demenzkranken in ihrer Nähe wissen – gut versorgt, betreut und therapiert. Sie sind von der Pflege entlastet, ohne dass der Kontakt zum Kranken abreißt. So können sie sich in Ruhe ihrer eigenen Behandlung widmen und auch außerhalb der Therapiezeiten eigenen Freizeitaktivitäten nachgehen.

Demenzerkrankte ab Pflegegrad 2

Demenzkranke Begleitpersonen ab Pflegegrad 2 können im Rahmen der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege im Angehörigenbereich untergebracht werden, wo sie ressourcenorientiert und aktivierend betreut und gepflegt werden. 

Muss eine demente Begleitperson z.B. aufgrund einer Weglaufgefährdung im geschlossenen Bereich untergebracht werden, so kann dies im Pflegeheim Haus Park Röpersberg erfolgen. Es befindet sich gleichen Gebäudekomplex. 

Sie können einander jederzeit sehen! 

Unsere Rehabilitanden können ihre demenzbetroffenen Angehörigen jederzeit im Angehörigenbegleitbereich besuchen. Nur während der MAKS-Therapie, die zwei Mal täglich jeweils eine Stunde lang stattfindet, sind Besuche im Angehörigenbegleitbereich nicht hilfreich, da die Therapiengruppen sonst gestört werden. 

Gemeinsame Therapien

Wenn der Wunsch oder Bedarf besteht, können unsere Rehabilitanden an ausgewählten Therapien gemeinsam mit ihre/n demenzbetroffene/n Partner/in oder Familienmitglied teilnehmen, z.B. im Rahmen der Kunst-Ergotherapie oder Musiktherapie.

Die Interaktion zwischen pflegendem Angehörigen und dem an Demenz erkrankten Menschen ist ein wichtiger und zentraler Bestandteil unserer Arbeit: Neu Erlerntes (z.B. Validation) im Umgang mit Demenzkranken, kann in den gemeinsamen Therapiestunden sogleich praktisch geübt und umgesetzt werden. Angehöriger und Demenzkranker erleben einander dabei im geschützten Rahmen ohne eine Versorgungsbelastung.